Digitale Lernprodukte haben mindestens zwei Zielgruppen mit sehr verschiedenen Aufgaben: Lernende wollen vorankommen, Lehrende wollen vorbereiten, begleiten und einschätzen. Oft entscheidet zusätzlich eine dritte Gruppe über die Lizenz, etwa ein Bildungsträger oder eine Personalabteilung, die das Produkt selbst kaum nutzt. Wir betrachten diese Rollen getrennt, bevor wir gestalten: mit Interviews und Journey Mapping je Rolle, bei bestehenden Produkten ergänzt um UX Audit und Usertests.
Learning Journey statt Kursliste
Viele Lernplattformen zeigen, was es gibt, aber nicht, wo man gerade steht. Wir kartieren die Learning Journey vom ersten Login bis zum Abschluss und untersuchen die Momente, an denen Lernende häufig aussteigen: der Wiedereinstieg nach einer Woche Pause, zehn Minuten Lernzeit in der Bahn auf dem Smartphone, der Wechsel zwischen Selbstlernphase und Präsenztermin. Daraus entstehen Informationsarchitektur und Navigation, die den nächsten sinnvollen Schritt anbieten, statt alle Inhalte gleichrangig aufzulisten.
KI-Assistenz, die Lehrkräfte entlastet statt übergeht
Ob KI in einem Lernprodukt Vertrauen gewinnt, entscheidet sich an der Oberfläche. Lehrkräfte müssen erkennen, was die KI vorschlägt, worauf der Vorschlag beruht und wie sie ihn anpassen oder verwerfen – etwa bei generierten Aufgaben oder Feedback-Entwürfen. Wir konzipieren Dialogführung, Feedbackmechanismen und Korrekturwege mit Fokus auf Transparenz, Kontrolle und Erklärbarkeit. Erfahrung mit KI-Assistenz im Bildungsbereich bringen wir aus unserem Netzwerk mit, aus der fobizz KI-App für Lehrkräfte.
Barrierefreiheit für heterogene Lerngruppen
In einer Lerngruppe sitzen Menschen mit Sehbeeinträchtigung, mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, mit Deutsch als Zweitsprache oder mit altem Gerät und schwachem Netz. Wir prüfen Interfaces nach WCAG und achten bei Lernprodukten besonders auf Tastaturbedienung in Quiz- und Zuordnungsaufgaben, Videoplayer mit Untertiteln und Transkript, verständliche Fehlermeldungen und Zeitlimits, die sich verlängern lassen. Erfahrung aus unserem Netzwerk mit WCAG-Projekten: MEQO und, gemeinsam mit Juno, die Zentrale Stelle Verpackungsregister.
Ein System für Lernende, Lehrende und Admins
Bildungs-SaaS wächst meist schrittweise: Erst gibt es Kurse, dann kommen Gruppen, Auswertungen und Verwaltungsbereiche für Bildungsträger oder Personalabteilungen hinzu. Ohne Systemlogik entstehen dabei Insellösungen. Wir entwickeln modulare Interface-Konzepte und Designsysteme, in denen die Ansichten für Lernende, Lehrende und Admins auf denselben Komponenten aufbauen, aber unterschiedlich viel zeigen. Umgesetzt wird mit Entwickler:innen aus unserem Netzwerk, mit Ihrem internen Team oder auf Basis detaillierter funktionaler Beschreibungen für eine externe Entwicklung.
Wo unsere Rolle endet
Lerninhalte und didaktische Konzepte verantworten Sie oder Ihre Fachleute; wir schreiben keine Kurse und produzieren keine Lernvideos. Lehrsituationen kennen wir aus eigener Praxis, weil wir mit Studierenden Projekte erarbeiten und Seminare zu User Experience halten – Fachdidaktik ersetzt das nicht. Auch Rechtsberatung zu BFSG, Datenschutz oder AI Act leisten wir nicht. Unser Beitrag liegt an der Schnittstelle: sichtbar machen, wo Didaktik, Technik und Bedienung auseinanderlaufen, und die Bedienung so gestalten, dass sie Ihr didaktisches Konzept trägt.
Passende Projekte: fobizz KI-App · Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) · MEQO – zu den Projekten